77 Jahre Grundgesetz – Zwei Professoren zu Gast in der Stufe 11
Am 28. April 2026 besuchten Prof. em. Dr. Jakob Rösel und Dr. Pierre Gottschlich, beide
Politikwissenschaftler der Universität Rostock, unsere elften Klassen.
Sie beantworteten vorbereitete Fragen rund um das Grundgesetz, das am 23. Mai seinen 77.
Geburtstag feiert. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:
Warum wurde das Grundgesetz als Provisorium verstanden?
Es war ursprünglich nur als vorläufige Lösung gedacht, bis Deutschland wiedervereinigt ist.
Trotzdem enthält es mit Artikel 79 eine Ewigkeitsklausel, die bestimmte Grundprinzipien für
immer festschreibt.
Hat sich die Wahrnehmung seit der Wiedervereinigung verändert?
Ja. Viele Menschen in Ostdeutschland hatten 1990 eine neue gesamtdeutsche Verfassung
erwartet, stattdessen wurde das Grundgesetz einfach übernommen, ohne Volksabstimmung.
War es ein Fehler, keine neue Verfassung zu verabschieden?
Darüber sind die Meinungen geteilt. Das Grundgesetz hat sich bewährt, doch die fehlende
demokratische Abstimmung 1990 wird bis heute kritisiert.
Ist Deutschland im internationalen Vergleich ein Sonderfall?
In gewisser Weise ja, kaum eine Verfassung schützt die Grundrechte so stark und macht sie
so schwer veränderbar wie das deutsche Grundgesetz.
Wann sind Eingriffe in Grundrechte gerechtfertigt?
Nur unter strengen Voraussetzungen, etwa zum Schutz anderer Grundrechte oder der
öffentlichen Sicherheit und immer nur so weit wie nötig.
Wie relevant ist das Grundgesetz heute noch?
Sehr. Gerade bei neuen Herausforderungen wie Digitalisierung, Klimakrise oder Populismus
zeigt sich, wie wichtig ein stabiles Verfassungsfundament ist.Die Veranstaltung war Teil einer bundesweiten Initiative zum Verfassungstag und fand
außerdem am 28. April um 18 Uhr im Kulturzentrum Jarmen statt mit denselben Referenten.